Qualität braucht System

Viele chinesische Lieferanten haben einen niedrigen Organisationsgrad, wodurch zahlreiche deutsch-chinesische Geschäftspartnerschaften von Einzelpersonen abhängen. Eine systematische Organisationssteigerung reduziert die Abhängigkeit.

Zahlreiche deutsche KMU werden von kleinen oder mittelgroßen Fabriken aus China beliefert. Deren Inhaber besitzen eine angemessene Grundhaltung, um allen gestellten Ansprüchen an Qualität gerecht zu werden. Unzureichend ausgeprägte Organisationsgrade verhindern jedoch nachhaltige und prozessübergreifende Qualitätsanforderungen zu befriedigen.

Die (gute) Zusammenarbeit hängt viel zu oft von einzelnen Personen ab, wie z. B. vom Vertriebsmitarbeiter, der weiß was dem Kunden wichtig ist, es jedes Mal den Produktionsmitarbeitern erklärt; vom langjährigen Mitarbeiter, der die Linien einstellt, dies aber nie dokumentiert; oder von der Frau des Inhabers, die regelmäßig einen Blick auf Produktqualität wirft. Aber was tun, wenn eine dieser Personen anderweitig verhindert ist oder gar ganz abhandenkommt? Vielen deutsch-chinesischen Geschäftsbeziehungen fehlt in solchen Fällen die systematische und organisatorische Grundlage.

Der Einkäufer ist der Held

Einige Einkäufer meinen sie wären ausschließlich für die Aufgabe und Verfolgung von Bestellungen zuständig. Sie übersehen dabei, dass ihnen als direkter Kontakt zum Lieferanten eine tragende Rolle zukommt. Einkäufer sollen ihren Einfluss auf Bestellungen nutzen, um einen höheren Organisationsgrad zu bewirken. Jede Order hat das Potential Systemänderungen beim Lieferanten zu veranlassen.

Einige Tools helfen ein System ohne Abhängigkeit von Schlüsselpersonen zu schaffen:

  • Detailliertes und vom Einkäufer ausgestaltetes Spezifikationsblatt, mit Orientierung am Marktstandard
  • Defekt-Klassifikationen nach Schweregrad, vom Einkäufer vorbereitet
  • Datenblätter mit Informationen zu Einstellungswerten, nach Vorgaben des Einkäufers
  • Zahlung der letzten Rate nach Inspektion der Ware bzw. über ein gesichertes Gemeinschaftskonto
  • Klare, regelmäßige und direkte Kommunikation

Den chinesischen Geschäftspartner und seine Sichtweisen vor Beginn einer Zusammenarbeit richtig einzuschätzen, das ist für viele international tätige Unternehmer auch ein gängiges Problem. Vor kurzer Zeit haben wir uns deshalb mit dem Thema Vertrauensverhältnisse in Kooperationen befasst. Wir haben festgestellt, dass mit einer bewusst sachlichen Vorgehensweise Risiken minimiert werden können und dabei eine solide Basis für Geschäftsverhältnisse geschaffen wird. [weiterlesen]

Radio-Gespräch: Mephisto 97.6 – M19-Das lange Interview

Bei M19 spricht China-Experte Martin Bürger über das Reich der Mitte.

Mit China als Thema einer Sendung, kann man mehr als nur eine Stunde füllen. Immerhin ist auf dem Flecken Erde zwischen Russland und Indien in den letzten Jahrhunderten so einiges passiert. Man denke nur an Porzellan, Seide und die große Mauer.

Den Beitrag hier anhören.

Studiogast Martin Bürger hat selbst eine Zeit lang in Nanjing gelebt – einer Partnerstadt von Leipzig, die mehr Einwohner hat als Sachsen. Er ging dort zur Schule und war der wohl einzige Europäer unter 3.000 chinesischen Mitschülern, wie er berichtet. Dazu lebte er in einer chinesischen Gastfamilie. Durch seine Erfahrungen weiß er über China wie kein anderer Bescheid.

Interview

Weitere Informationen unter mephisto976.de

Fotos: Christoph Becker