Anstieg chinesischer Investitionen in deutsche KMU absehbar

Mit einem Startkapital von ca. einer Mrd. USD (890 Mio. EUR) soll ein Fonds in kleine und mittlere deutsche Unternehmen investieren.

Als Investitionsschwerpunkte des neuen, sogenannten „Industrie 4.0 Fonds“ werden intelligente Herstellung, Spitzentechnologien, moderne Werkstoffe und Medizintechnik genannt. Beteiligungen kommen vor allem aus chinesischen Staatsfonds und über Investoren aus dem Nahen Osten.

Motivationen des Vorhabens sind eng mit Entwicklungen in der deutschen Wirtschaft, vor allem mit der Industrie 4.0, verknüpft. Die Gründung fand im vergangenen Jahr, nach Vereinbarung einer Innovationspartnerschaft zwischen Deutschland und China, statt. Gründervater Cai Hongping selbst war eine Zeit lang Führungskraft der Deutschen Bank in Asien.

Ein Anstieg des Interesses privater chinesischer Geldgeber an deutschen KMU ist schon seit einigen Jahren erkennbar. Einige prominente Beispiele chinesischer Beteiligungen an deutschen Unternehmen sind allgemein bekannt geworden und wurden öffentlich diskutiert. Nun tritt der chinesische Staat in Erscheinung und stellt groß angelegte Investitionen in Aussicht.

Die auf Produktion und Export getrimmte chinesische Wirtschaft kann sich also vermehrt an deutschen Unternehmen beteiligen und wird dabei von institutioneller Seite aktiv unterstützt. Durch Bereitstellung nötiger Geldmittel ist ein Anstieg von Investitionen zu erwarten, ebenso ändert sich die Verhandlungsposition chinesischer Geschäftspartner gegenüber Unternehmen. Der lange diskutierte und selten erfolgte Dialog auf Augenhöhe könnte schon bald von chinesischer Seite eingefordert werden.

Weiterführende Quellen:

Kommentar: People’s Daily

Die People’s Daily ist eine chinesische Tageszeitung. Sie ist offizielles Medium der KPCh und mit einer Auflagenstärke von rund 2,5 Mio. Exemplaren eine der zwei größten Zeitungen Chinas. Martin Bürgers Kommentar zu chinesischen Reformvorhaben lesen Sie im Folgetext.

Transkription des Artikels mit Beitrag:

Ein “LIKE” der OECD an die chinesische Wirtschaft

Experten bestätigen: Erfolgreiche Reformen bilden die Grundlage für nachhaltiges Wachstum

Am 3. Juni 2015 veröffentlichte die OECD ihren neuesten Bericht. Darin heißt es über die chinesische Wirtschaft, diese befinde sich auf dem Weg hin zur Normalisierung. Trotz des verlangsamten Wachstums seien die zu erfolgenden Restrukturierungsmaßnahmen überaus begrüßenswert. Zahlreiche Reforminitiativen erhellen die Aussichten und ein konstantes Wachstum findet starke Unterstützung. Im Interview erwähnen ausländische Experten gegenüber unseren Autoren, dass sich die Verlangsamung des chinesischen Wirtschaftswachstums in einem angemessenen Rahmen bewege und eine erfolgreiche Transformation chinesischer Wirtschaftsentwicklungen eine nachhaltige Grundlage für die Zukunft darstelle.

Wirtschaftliche Restrukturierungsmaßnahmen “in einem angemessenem Rahmen”

Der Bericht der OECD unterstreicht, dass sich die Restrukturierung der chinesischen Wirtschaft “in einem angemessenen Rahmen” bewege: Der Beitragsanteil durch Inland-Konsum am BIP habe bereits jetzt den der Auslandsinvestitionen übertroffen und durch stetigen Anstieg der Realeinkommen chinesischer Haushalte bleibe der Konsum stabil; die Kontrolle der Schattenbanken sei effektiv und Zugang zu Krediten für Produktionsvorhaben wurde erleichtert; stille staatliche Garantien für Unternehmen werden z. T. gekündigt, bessere Risikopreismechanismen werden gebildet; Konditionen für Kredite an Kleinunternehmer wurden verbessert, Steuervergünstigungen begünstigen KMU etc.

Martin Bürger, Geschäftsführer der Deutschen Asia Pacific Gesellschaft e.V. und China-Experte, äußert sich dazu gegenüber unserer Autorin: Die Verlangsamung des chinesischen Wirtschaftswachstums sei durchaus angemessen und beuge derzeit einer Bildung von Investitionsblasen vor. Generell befinde sich Chinas Wirtschaft in einer Übergangsphase, weg von einer auf Quantität, hin zu einer auf qualitatives Wachstum ausgerichteten Wirtschaft. Die erfolgreiche Transformation der chinesischen Wirtschaft bilde die Grundlage für eine durch nachhaltige Entwicklungen geprägte Zukunft.

Bürger sagt, China entwickle sich momentan zu einer Konsumgesellschaft. Zukünftig könne China, im Bereich der Dienstleistungen und der F&E, durchaus auch international konkurrenzfähig werden. Chinesische Qualitätsprodukte würden so auch internationale Märkte erreichen. Diese Produkte seien dann nicht nur “Made in China” sondern auch “Developed in China”.

Laut OECD Bericht wären fortschreitende Urbanisierungsentwicklungen und der Ausbau der Seidenstraße Auslöser zur Steigerung des Investitionsbedarf für den Bau von Infrastruktur. Monetäre Regularien wurden abgebaut, z. B. wurden der Eigenanteil beim Kauf von Zweitwohnungen reduziert und auch weitere Maßnahmen für kurzfristiges Wirtschaftswachstum getroffen. Laut Bürger sei der Immobilienmarkt ein nicht zu unterschätzendes und willkommenes Mittel für die kurzfristige Generierung von Arbeitsplätzen. Er helfe einen abrupten Stillstand des Wirtschaftswachstums zu verhindern.  Gleichzeitig sollte jedoch auch der Bildung von Investitionsblasen vorgebeugt werden.

Prof. Dr. Christian Dreger vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung e.V. beschreibt unserem Autor die Entwicklung Chinas, weg von einem Wachstum durch Investitionen und Export, hin zu einem Wachstum durch Konsum. Diese Transformation führe zwangsläufig zu einem Abschwellen des enormen Wirtschaftswachstums, der Anteil des Dienstleistungssektors an der Gesamtwirtschaft wachse hingegen. Für die Bevölkerung sollte dies keinen Grund zur Besorgnis darstellen, denn diese Art der Verlangsamung der Wirtschaft führe nicht zu Beschäftigungsproblemen. Das Privateinkommen steige ebenso und führe somit auch zu einem Wachstum des Privatkonsums. Zu gleicher Zeit bestehe immer noch großer Spielraum, um den Konsum auch weiterhin zu stimulieren. Chinas wirtschaftliche Entwicklung befinde sich in einem guten Zustand, dass das Land eine sanfte Landung schafft sei wahrscheinlich.

Weiterhin meint Prof. Dreger, der Ausbau der Seidenstraße sei ebenso eine wichtige Maßnahme und bewirke die Integration der Anrainerstaaten. China ist ein riesiger Markt und ein gesundes Wachstum der chinesischen Wirtschaft wirke sich auch positiv auf anliegende Märkte und deren Exporte aus. Die Internationalisierung des Renminbi befähige die chinesische Wirtschaft zudem international hervorzustechen.

Schwerpunkt des chinesischen Wirtschaftswachstums liegt auf Innovation

Der Bericht der OECD sagt Chinas Wirtschaft ein verlangsamtes Wachstum voraus. So soll das Wirtschaftswachstum in 2015 auf 6,8% sinken, in 2016 dann auf 6,7%.

“Die im Bericht betriebene Analyse der Gesamtsituation ist überaus beachtenswert und wertvoll verglichen mit einzelnen Zahlwerten”, betont Prof. Shi Heling von der Wirtschaftsfakultät der Monash University in Australien im Interview mit unserem Autor. “Der Bericht verdeutlicht, dass der BIP-Anteil durch Konsum bereits die Investitionen übertroffen hat, was bedeutet, dass das Einkommen des Durchschnittsbürgers steigt und die Mittelklasse wächst, das Konsumstandard erreicht ein neues Level. Der Konsum wird in Zukunft eine immer tragendere Rolle für Entwicklung und Wachstum der chinesischen Wirtschaft spielen. Das bisherige Wachstumsmodell war stark auf Auslandsinvestitionen ausgerichtet. Mit einem neuen Wachstumsmodell ausgerichtet auf Stabilität und Nachhaltigkeit erreicht China eine neue Entwicklungsebene. Das ist ein Meilenstein.”

Vize-Präsident des Instituts für Australo-Chinesische Beziehungen der University of Technology, Sydney und Experte für chinesische Wirtschaft, Prof. James Laurenceson, glaubt an die chinesische Wirtschaft. Er erwartet ein Wirtschaftswachstum von nahezu 7% und äußert sich im Interview mit unserem Autor: “Mit einer Normalisierung der chinesischen Wirtschaft wird eine gesunde Wirtschaftsentwicklung ermöglicht, das Wachstum des Dienstleistungssektors wird den Bausektor und die Industrie übertreffen. Auch der Einzelhandel entwickelt sich schneller als Investitionen in Anlagevermögen. Chinas laufende Entwicklung und Restrukturierung stärkt die privaten Haushalte und schafft Werte im Gegensatz zur Massenproduktion. Die chinesische Wirtschaft setzt auf Innovation.”

Vorsitzender des Beratungsausschusses für Wirtschaftsfragen des Australischen Premierministers, Maurice L. Newman, sagt unserem Autor: “Chinas laufende wirtschaftliche und strukturelle Regulierung ist mehr denn je gerichtet auf Qualität und Effizienz einer stabilen Wirtschaft und sorgt sich auch um den Ausbau der Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen Australien und China in beide Richtungen. Dies schafft auch weiteren Entwicklungsspielraum für Kooperationen in Wissenschaft und Technologie-Innovation, im Gesundheitswesen, der Bildung und in vielen weiteren Bereichen.”

Vorsitzendes Mitglied des Forschungsrats der Koreanischen Handelsvereinigung, Li Fengjie, meint im Gespräch mit unserem Autor, dass die Verlangsamung des chinesischen Wirtschaftswachstums nicht zu einer “harten Landung” der Wirtschaft führe. Tatsächlich bieten Regierungsinitiativen, zur Verlangsamung des Wirtschaftswachstums mit Ziel eines Strukturwandels der Wirtschaft, den Impuls für eine langanhaltende und nachhaltige Entwicklung. Das Welthandelsvolumen schrumpfe derweil und so verbleibe Chinas Wachstum, insbesondere aus Sicht der Exportwirtschaft, weiterhin auf einem hohen Niveau. Das Projekt Seidenstraße stimuliere derweil Investitionen für den Aufbau von Infrastruktur und setze weitere Entwicklungsmaßstäbe für China und alle beteiligten Staaten.

(People’s Daily Berlin, Canberra, Seoul am 4. Juni. Autoren: Zheng Hong, Bao Jie, Wan Yu)

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